Wie schafft ihr neue Bücher für die Kita an?

Stell´ dir vor, in deiner Kita dürfen neue Bücher gekauft werden. Wie läuft das jetzt in eurer Kita ab? Dazu erzähle ich dir, wie das in den 90er Jahren bei mir ablief. Wir haben wir uns in meiner Kita oft einen Vertreter von Firma xy kommen lassen, der hat uns dann neue Bücher vorgestellt. Vom Ablauf war es so, dass wir mit einigen Kolleginnen im Personalzimmer saßen und der Vertreter uns ein paar Bücher präsentierte.

An einen Termin erinnere ich mich noch gerne zurück: Der zeigte das Buch „Grüffelo“ und zwar genau so, wie ich es in meiner ersten Ausbildung zur Erzieherin gelernt hatte. Es war eine echte Bilderbuch-Betrachtung. Dazu hielt der Vertreter das Buch aufgeschlagen vor seinem Oberkörper, so dass wir alle in´s Buch schauen konnten. Dann erzählte er die Geschichte frei und nutzte all seine sprachlichen Mittel. Damit zog er mich in seinen Bann. Ich liebte dieses Buch uns es wurde natürlich auch angeschafft. Ich habe es mir sogar privat gekauft.

Der Vertreter hat mit dem „Grüffelo“ bei mir in´s Schwarze getroffen. Die Geschichte fand ich einfach toll. Dieses Buch wurde mein Lieblingsbuch und auch in meiner Gruppe wurde es das Lieblingsbuch vieler Kinder.

Meine Erkenntnis aus heutiger Sicht: Ich habe mit viel Begeisterung mein Lieblingsbuch zum geliebten Buch vieler Kinder gemacht. Dabei ging der Impuls von mir aus. Das war auch alles in Ordnung so. Fazit: Nach welchen Kriterien hatte ich die Bücher für meine Gruppe ausgewählt? Ganz einfach: Die Bücher mussten mir gefallen und in den Rahmenplan (Jahreszeit) passen. Frühling,Sommer, Herbst und Winter. Das waren wichtige Themen für uns alle. Außerdem sollten die Themen dem entsprechen, was wir damals für die Kinder für „richtig“ und „passend“ empfunden hatten. Wir machten „Angebote“.

Und jetzt meine Frage an dich: Wie werden Bücher für eure Kinder ausgewählt? Wer sucht sie aus und nach welchen Themen?

Hier kommt jetzt Partizipation in´s Spiel. Beobachtest du die Themen und Interessen der Kinder? Kennst du sie? Könntest du jetzt spontan zu 5 Kindern deiner Gruppe deren Interessen und aktuelle Themen notieren? Wenn du mit „ja“ antwortest – super! Passen diese Themen der Kinder zur aktuellen Buchauswahl eurer Gruppe?

Partizipation im Kita-Alltag anwenden

Probiere es mal aus: Räume alle Bücher weg und überlege mit den Kindern, welche Bücher sie aktuell in der Gruppe haben möchten. Bei Kindern, die gerne Bücher anschauen ist das kein Problem.

Jetzt wähle bewusst ein Kind aus, von dem du weißt, das es sich nicht gerne mit Büchern beschäftigt. Frage dich, wofür interessiert sich dieses Kind? Dann nimm´ das Kind mit zu eurer „Bücherei“, oder dem Ort, wo eure Bücher aufbewahrt werden.

Frage das Kind, zu welchem Thema es mit dir ein Buch anschauen möchte. Wenn das zu schwer ist, gebe Impulse zu den aktuellen Themen des Kindes. Treffe eventuell eine Vorauswahl an Büchern, die für das Kind interessante Themen beinhalten. Gehe also nach dem Interesse des Kindes vor.

Was hat die Auswahl des Bilderbuches mit Partizipation zu tun?

In meinem eigenen Beispiel wird deutlich, dass ich damals in meiner pädagogischen Arbeit viel direktiver vorgegangen bin. So hatte ich es gelernt – einen Rahmenplan „abzuarbeiten“ der die 12 Monate im Jahreskreislauf berücksichtigt und die jeweiligen Themen quasi vorgibt.

Partizipation als Grundlage für Selbstbildungsprozesse

Heute sehen wir das Kind als aktiven Lerner, als „kompetentes Kind“. Das Bildungsverständnis hat sich gewandelt. Wir sind „Entwicklungsbegleiter“ und beobachten das Kind. Wofür interessiert es sich, welche aktuellen Themen des Kindes beobachte ich? Wir zeigen eine forschende, eine fragende Haltung und machen uns gemeinsam mit dem Kind auf den Weg.

Das Kind bildet sich selbst. Es zeigt uns, für welches Thema es gerade „brennt“, wenn wir genau hinschauen.

Partizipation – Du als „Schatzsucherin“

Als Entwicklungsbegleiterin in der Kita schaust du genau hin und unterstützt die individuellen Lernwege des Kindes – die sogenannten Selbstbildungsprozesse. Es gilt, dem Kind zu ermöglichen, sich an Entscheidungen zu beteiligen, mitzubestimmen, oder sogar selbst zu bestimmen. Nicht zuletzt lernt das Kind so, Verantwortung für sich und für die Gemeinschaft zu übernehmen. Ebenso lernt es, eine eigene Meinung zu vertreten, Vielfalt anzuerkennen und Kompromisse einzugehen. Schau dir das Video zum Thema an:

Video Partizipation

Prof. em. Dr. Annedore Prengel über Formen der Partizipation in der Kita
© Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF), 19.05.2016

Was ist Partizipation in der Kita ?

Partizipation (lat. particeps = teilhabend) bezeichnet verschiedene Formen der Beteiligung, Teilhabe und Mitbestimmung. Partizipation in der Kita umfasst die altersgemäße Beteiligung der Kinder am Kita-Alltag. Die Kinder bringen in einem von Wertschätzung geprägten Dialog sich und ihre Ideen, Meinungen Empfindungen und Sichtweisen ein und beeinflussen aktiv ihren Alltag. Nach §9 SBGVIII ist „die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes oder Jugendlichen zu selbstständigem, verantwortungsbewusstem Handeln (…) zu berücksichtigen“.

Partizipation und Demokratie

Kinder lernen, sich in Beteiligungsprozessen mit ihren Wünschen, sowie den Bedürfnissen anderer auseinanderzusetzen und gemeinsame Lösungen zu finden. Dabei werden gleichzeitig Methoden der Gesprächs- und Diskussionsführung geübt.

Partizipation und Teamentwicklung

Teams, die sich mit Partizipation beschäftigen, starten mit Fragen zur eigenen inneren Einstellung. wie denke ich über Beteiligung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung? Wo verläuft für mich die Grenze? Diese innere Haltung darf im Team diskutiert werden, um dann in einem gemeinsamen Prozess zum Teamkonsens zu führen. Die tägliche Arbeit wird hinterfragt.

Hier zeige ich einen kleinen Ausschnitt zu möglichen Fragen, die im Hinblick auf Beteiligung diskutiert werden dürfen