Mehr Zufriedenheit im Job durch Stärkenorientierung

Höher, schneller, weiter… Davon willst du weg, oder du weißt nicht, wie du aus dem Hamsterrad aussteigen kannst? Mit dieser kleinen Blog-Serie möchte ich dir Handwerkszeug anbieten, dass dir hilft, deine Stärken und Ressourcen im Job für mehr Erfüllung und Freude zu erleben.

Gemeinsam schauen wir auf die Themen Arbeitszufriedenheit, Mitarbeiter-Engagement und Motivation und Arbeitsfreude. In diesem ersten Blogbeitrag geht es um deinen IST-Stand – wie zufrieden bist du eigentlich in deinem Job? Wo stehst du gerade? Dazu gibt es weiter unten eine kleine Checkliste für dich!

Warum heißen eigentlich Krankenhäuser nicht Gesundheitshäuser? Stell dir vor, du besuchst jemanden im Gesundheitshaus statt im Krankenhaus. Was würde sich in deiner Wahrnehmung ändern? Richtig! Deine Sichtweise. Statt sich schwerpunktmäßig mit Krankheiten, Fehlern und Defiziten zu befassen, sollten wir unseren Blick auf das Positive, die Ressourcen, das Potenzial, die Entwicklung richten.

„Wir arbeiten stärkenorientiert, na klar!“

Du kennst das sicher, die ewige Diskussion um Ressourcenorientierung. Auch in der Kita schmücken wir uns mit Aussagen, wie “ Wir kommunizieren auf Augenhöhe“, “ Wir leben Partizipation“, “ Wir schauen mit einem positiven Blick auf das Kind“.

Klasse, wenn du es in deiner Kita genauso umsetzt. Ich gratuliere dir! Denn das ist nicht selbstverständlich. Viele Fachkräfte denken unter Druck unbewusst immer noch defizitär, d. h. sie schauen auf das, was noch nicht funktioniert. Sei in diesem Fall nicht so streng mit dir, viele von uns sind so erzogen worden und unter Stress tun wir oft Dinge, die wir als Kind gelernt haben. Ich habe in einem spannenden Vortrag von Steffen Kirchner gehört, dass wir bis zu unserem 18. Lebensjahr 187.000 Versagerbotschaften zu hören bekommen. Kein Wunder, dass wir zunächst immer „die Nadel im Heuhaufen“ suchen und nicht auf das Positive schauen.

Und wie schaut es unter den Kolleginnen aus? Seid ihr immer mit positivem Blick unterwegs? 

Wie sieht es mit dem positiven Blick im Team unter den Mitarbeitenden aus?

  • Herrscht bei euch stets eine positive Grundhaltung allen Kolleginnen und Kollegen gegenüber?

  • Gibt es genug Wertschätzung und Anerkennung untereinander?

  • Oder kennst du auch den Zickenalarm? Nichts geht mehr!

  • Gibt es bei euch auch mal schwierige Situationen, unterschiedliche Meinungen, Streit, Machtkämpfe, Mobbing?

Dann wird es höchste Zeit, den Schalter umzulegen. Wie kann dies gelingen?

Positive Psychologie

Die Positive Psychologie ist ein noch junger Fachbereich der akademischen Psychologie. Hier geht es darum, wie Menschen ihre Stärken und Ressourcen noch besser nutzen können. Im Fokus stehen

  • Optimismus

  • Selbstwirksamkeit

  • Hoffnung

  • Selbstwertgefühl

  • positive Emotionen

  • Resilienz

  • Dankbarkeit

  • Flow

In der Positiven Psychologie beschäftigt man sich mit der Frage, welcher Faktoren zu einem erfüllten Leben führen.

Positive Psychologie steht für eine bessere Arbeitswelt. Wie notwendig ein Umdenken vor allem in unserer leistungsorientierten Arbeitswelt ist, zeigen folgende Fakten:

  • Seit dem Jahr 2000 haben sich die Krankmeldungen aufgrund von psychischer Belastung mehr als verdoppelt.

  • Die Fehltage bedingt durch Burnout sind von 2004 bis 2012 um 1400 % gestiegen (Studie der Bundespsychotherapeutenkammer „Arbeitsunfähigkeit und psychische Erkrankungen 2012“, www.bptk.de).

  • Die World Health Organisation (WHO) geht davon aus, dass 2020 Depression die zweithäufigste Volkskrankheit sein wird (www.who.int.).

Hier setzt die Positive Psychologie präventiv an. Sie schafft einen Rahmen, damit Mitarbeitender gesund und leistungsfähig sind und bleiben.

Glück, Zufriedenheit, Resilienz und Engagement bilden dafür das Fundament

Mehr Engagement und Zufriedenheit im Job

Kita Fachkräfte, die zufrieden im Job sind, denken mit, sind engagiert, haben kreative Ideen, denken lösungsorientiert, sind gute Teamplayer und in ihrer Persönlichkeit gefestigt. Das Besondere ist, sie sind mit ihrem Herzen dabei. Sie bauen ihre Ressourcen und Stärken weiter aus und unterstützen ihre Kolleginnen und Kollegen.

Das gemeinsame Ziel steht für sie im Vordergrund, es ist ihr Antrieb, wofür sie arbeiten und warum es Ihnen wichtig ist. Sie scheuen keine Mehrarbeit, wenn es um das große Ganze geht. Diese Mitarbeitenden sind die kreativen Köpfe eures Teams. Sie bringen sehr gerne neue Projekte auf den Weg und machen eure Kita zukunftsfähig.

Mehr Freude und Wirksamkeit als Kita Fachkraft

Wenn Kita Fachkräfte mit mehr Freude und echter Wirksamkeit ihrem Beruf in der Kita ausüben, führt das zu einer Win-Win-Situation für den Mitarbeitenden und den Kita-Träger:

  • Die Leistung der Mitarbeitenden steigt

  • Kinder und Eltern sind zufriedener

  • Die pädagogische Qualität steigt

  • Die Fluktuationsquote wird geringer

  • Es gibt mehr Innovation

  • Die Mitarbeitenden sind gesünder

  • Der Krankenstand sinkt

 

Wie kann man die Arbeitszufriedenheit der Kita Fachkräfte erhöhen?

Durch die Beteiligung und Mitbestimmung des ganzen Kita Teams, jedes einzelnen Mitarbeitenden kann die Arbeitszufriedenheit enorm erhöht werden. Wie engagiert bist du in deinem Job als Fachkraft, oder (angehende) Kita-Leitung?

Selbstcheck Engagement im Job

Vergib 1 (nicht vorhanden) bis 10 Punkte (voll erfüllt) für die folgenden drei Fragen:

  1. Vitalität: Wie vital erlebst du dich im Kita-Alltag?

  2. Einsatzbereitschaft: Wie stark bringst du dich (gefühlt) ein?

  3. Flow: Wie stark gehst du in deiner Tätigkeit auf?

Wo stehst du persönlich? Welche Werte hätten nach deiner Einschätzung deine Mitarbeitenden? Den Check kannst du gut für das nächste Mitarbeitergespräch nutzen, um den aktuellen Stand des Engagements deines Teams zu besprechen. In weiteren Blogartikeln dieser Serie gehe ich auf Methoden zur Steigerung des Engagements ein.

Das Gallup Institut stellt einen Fragebogen zur Verfügung, mit dem du die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden feststellen kannst, den sogenannten Gallup Q12.

Lade dir gerne den Selbstcheck „Gallup Q12 Fragen“ herunter. Ich habe ihn für dich in einem PDF vorbereitet.

Wie geht es nach dem Check zum Mitarbeiterengagement weiter?

Nach dem Check per Fragebogen empfehle ich folgendes Vorgehen. Erstelle zunächst eine „Plus/Minusliste“. Was läuft gut, was läuft nicht gut. Der zweite Aspekt beschreibt den Handlungsbedarf und bietet die ideale Grundlage für weitere Maßnahen zur Stärkung des Engagements.

  • Sammelt gemeinsam Ideen, die die Arbeitszufriedenheit und das Engagement erhöhen
  • Maßnahmenableitung: Vereinbart im Team konkrete Maßnahmen zur Umsetzung
  • Terminierung: Setzt einen Zeitrahmen. Bis wann soll die Maßnahme umgesetzt sein?
  • Bewusstheit: Achtet gemeinsam im Kita-Alltag auf den positiven Unterschied. Macht ein kurzes Blitzlicht vor der Teamsitzung. Jeder benennt, welchen positiven Unterschied er, oder sie bereits wahrgenommen hat. Notiere ihn!
  • Endtermin zur kurzen Reflexion: Setzt euch einen Endtermin, bei dem die Zielerreichung und der Umsetzungsgrad reflektiert werden.
  • Dranbleiben: Zweimal im Jahr eine Bestandsaufnahme machen: Wie zufrieden sind wir gerade und was kann verbessert werden.

Jetzt weißt du, wie engagiert du selbst und auch deine Miatrbeitenden im Kita-Alltag sind. Der nächste Schritt besteht darin, herauszufinden, wie man dieses Engagement fördert.

Wenn du jetzt denkst: „Ist doch klar, mit Geld!“ Dann trifft das nur teilweise zu. Lass dich überraschen und freu dich auf meinen nächsten Blogartikel! Darin erzähle ich dir, was genau das Mitarbeiterengagement beeinflusst und wie du es steigern kannst.

Literaturquellen:

Stark im Berufsalltag, Haufe, Jörg Feuerborn, 2016

https://www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx