Interview mit Holger Brockmann von Ecophon

„Wenn es in der Gruppe zu laut ist, mache ich dreimal das Licht an und aus, dann ist es wieder etwas leiser.“ Das erzählt mir eine Erzieherin auf die Nachfrage, wie sie mit Lärm umgeht. Der Lärm gilt als größter Stressfaktor in der Kita für die Gesundheit von Kindern und Erziehern. Lärm macht unsensibel und wirkt sich auf die Achtsamkeit und das Sozialverhalten aus. Heute habe ich Holger Brockmann von Ecophon im Interview. Er gibt viele wertvolle Tipps, wie der Lärmpegel präventiv in einer Kita gesenkt werden kann und was sonst noch möglich ist, um den Lärmpegel zu senken.

 

Welche Auswirkungen hat Lärm auf unsere Gesundheit

Heute wissen wir, dass Lärm zu Gehörschäden führen kann, weil Lärm das vegetative Nervensystem stark beansprucht  So kann es zu Bluthochdruck, zu Verspannungen in der Muskulatur und sogar zu Tinnitus und Hörsturz führen. Kinder können sich schlechter konzentrieren, wenn sie über längere Zeit einem hohen Lärmpegel ausgesetzt sind. Lärm hat auch Auswirkungen auf die Sprachentwicklung der Kinder. Denn die gesprochene Sprache muss lauter sein, als die Grundgeräusche aus der Umgebung. Werden die Worte wegen Nebengeräusche nicht richtig gehört, dann können sie auch nicht richtig wiedergegeben werden. Ein Dauer-Lärm-Modus führt dann zu einer gestörten Sprachentwicklung bei Kindern führen.

Wenn wir zum Beispiel einen Vortrag hören oder uns ein Theaterstück ansehen und plötzlich entstehen Nebengeräusche durch klappernde Stühle, flüsternde Gespräche, WhatsApp-Geräusche, Gekicher und und und, dann empfinden wir das als Störung. Das wiederum löst einen gewissen Stress in uns aus. Wenn wir uns nun in einem dauerhaft lärmbelasteten Umfeld befinden, können wir uns nicht konzentrieren und sind somit einer permanenten Stresssituation ausgeliefert. Und dauerhafter Stress schlägt sich wiederum auf unsere Gesundheit aus.

Was können Kita-Träger und Mitarbeiter zur Verbesserung des Lärmpegels tun?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat auf ihrer Internetseite beschrieben, wie man in 7 Schritten eine Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsalltag durchführen kann. Dabei gibt es Anhaltspunkte für die Auswahl von Arbeitsschutzmaßnahmen, wie z.B. das sogenannte S-T-O-P-Prinzip, woran man sich orientieren kann.

„S“ wie Substitution (Ersatz, Auswechslung),
„T“ wie technische Maßnahmen,
„O“ wie organisatorische Maßnahmen und
„P“ wie personen- und verhaltensbezogene Sicherheitsmaßnahmen.

Die Reihenfolge dieser Aufzählung ist auch gleichzeitig die Rangfolge der durchzuführenden Maßnahmen. Wenn man diese Kriterien Punkt für Punkt durcharbeitet, ergeben sich daraus vielfältige Einzelmaßnahmen, die dann sukzessive umgesetzt werden können.

Tipps für eine Verbesserung der akustischen Situation in Kitas

Wenn man die aktuelle Situation verbessern möchte, ist es im Vorfeld immer ratsam, eine Bestandaufnahme zu machen. In einem Gespräch mit dem gesamten Team, mit den Eltern und auch mit den Kindern bekommt man schon erste aufschlussreiche Erkenntnisse. Die folgenden Stichpunkte könnten bei der Gesprächsführung sehr hilfreich sein:

Sensibilisierung

  • Ist Lärm in der Kita ein Thema?
  • Stören Geräusche unterhalb der „Gehörschutzschwelle“ den Arbeitsalltag?

Zusammenarbeit

  • Alle Personen in einer Einrichtung sollten in dieselbe Richtung gehen.

Tagesabläufe und Organisation überprüfen, alltägliche Situationen beobachten

  • Kann man Abläufe verändern, sodass weniger Lärm entsteht?
  • Welche Situationen sind besonders laut? Können diese anders organisiert werden?

Raumausstattung

  • Werden geräuschreduzierende Oberflächen auf  dem Fußboden und Tischen genutzt?
  • Haben Stühle Filzgleiter?
  • Stören laute Außengeräusche (Straße, offene Fenstern oder angrenzende Räume)?

Bauliche Überprüfung

  • Sind die allgemein anerkannten Regeln der Technik für Raumakustik (nach DIN18041) eingehalten?

 

Maßnahmen, um die Lautstärke in der Kita zu reduzieren

Der Verlag Pro Kita hat einen informativen Beitrag zu diesem Thema verfasst. Hier gibt es viele nützliche Tipps und die passenden Fragen, die bei einer Bestandsaufnahme in der eigenen Einrichtung sehr hilfreich sein können.

Als Fazit dieses Interviews mit Holger Brockmann habe ich mitgenommen, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt, den Lärmpegel in einer Kita zu reduzieren und das die Lage nicht aussichtslos ist. Den Lärm können wir nicht gänzlich eliminieren, denn schließlich leben hier Kinder, die von Natur aus lebhaft sind und dies auch sein dürfen.

Ein unbekannter Autor sagte mal: „Ein Kinderlachen ist womöglich das schönste Geräusch auf Erden.“

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim Anhören des Interviews.

 

 

Shownotes (025):

Informationen zum Thema „Lärm in Bildungsstätten“ und möglichen Maßnahmen

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STOP-Prinzip

STOP-Prinzip für Arbeitsschutzmaßnahmen – wichtig ist hierbei dass die Reihenfolge eingehalten wird: vor personellen Sicherheitsmaßnahmen stehen immer die anderen Ansätze: Substitution, technisch, organisatorische Maßnahmen.

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Tipps für eine Verbesserung der akustischen Situation in KiTas:

Sensibilisierung
• Ist Lärm ein Thema?
• Stören Geräusche unterhalb der „Gehörschutzschwelle“ den Arbeitsalltag?

Zusammenarbeit
• Alle Personen in einer Einrichtung sollten in dieselbe Richtung arbeiten.

Tagesabläufe und Organisation überprüfen, alltägliche Situationen beobachten
• Kann man Abläufe verändern, dass weniger Lärm entsteht?
• Welche Situationen sind besonders laut? Können diese anders organisiert werden?

Raumausstattung
• Werden Geräusch reduzierende Oberflächen auf z. B. Boden und Tischen genutzt?
• Haben Stühle Filzgleiter?
• Stören laute Außengeräusche (aus Fenstern oder angrenzenden Räumen)?

Bauliche Überprüfung
• Sind die allgemein anerkannten Regeln der Technik für Raumakustik (DIN18041) eingehalten?

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Für weitere Tipps:

Entspannung für die Ohren

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„CO2 App“

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Praxistipps: Pro Kita

4 Maßnahmen, um die Lautstärke in der Kita zu reduzieren – ein Beitrag des Verlages Pro Kita.

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