Mehr Zufriedenheit im Job durch Stärkenorientierung

Mit dieser kleinen Blog-Serie möchte ich dir Handwerkszeug anbieten, dass dir hilft, deine Stärken und Ressourcen im Job für mehr Erfüllung und Freude zu erleben.

Gemeinsam schauen wir auf die Themen Arbeitszufriedenheit, Mitarbeiter-Engagement und Motivation und Arbeitsfreude. In diesem Blogbeitrag geht es um deine Stärken.

Ich bin mir sicher, wenn ich dich frage, was du nicht gut kannst, wo du Fehler machst, wo du noch besser werden musst, kannst du mir aus dem Stand fünf Dinge nennen, an denen du noch arbeiten musst, möchtest oder denkst du hättest es nötig. Wenn ich dich aber nach deinen Stärken, nach deinen Ressourcen frage, dann kommst du vermutlich ins Stocken. So erlebe ich es ganz oft in meinen Seminaren, in meinen Workshops, wenn ich mit Fachkräften aus der Kita arbeite und sie frage: „Was ist dir gut gelungen?“ Wir sind es nicht gewohnt, unsere Stärken zu benennen oder auf etwas stolz zu sein. Das fällt uns richtig schwer.

Früher, wenn ich darüber nachdachte, was meine Stärken sind und worauf ich stolz sein kann, so dachte ich lange Zeit, dass ich so ein bunter Vogel sei. Drei Jahre habe ich dies gemacht, zwei Jahre war ich in der Kita, dann war ich dort in der Beratung. Irgendwie habe ich immer gedacht, ich wäre flatterhaft, ich halte es nirgendwo lange aus. Tja, wie du schon merkst, habe ich mir meine Ressource, meine Stärke eigentlich schlecht geredet. Kennst du das auch? Heute sehe ich das ganz anders, denn ich habe meine Haltung geändert. Dass ich in vielen Kitas gearbeitet habe, sehe ich heute als Stärke. Ich habe alle Funktionen in der Kita selber innegehabt. Somit kenne ich viele Funktionen. So habe ich mal in der Beratung oder malarbeitet, mit Älteren gearbeitet. Diese Stärke zeichnet aus, dass ich mir immer wieder neue Aufgaben suche. Heute weiß ich ganz genau, meine Stärken sind Wissen und Lernen, Wachsen und mutig sein.

Was ich dir damit sagen will, ist, dass ich heute diese Ressource als Stärke ansehe und nicht mehr als Fehler, nur weil ich nirgendwo lange angestellt war. Wenn du Lust hast, kannst du das für dich überprüfen und hier mal schauen, welche Stärken du hast und wie du diese möglicherweise ausbauen kannst. Also, lass uns starten.

 

Stärken erkennen

Ist dir auch schon aufgefallen, dass wir Menschen negative Informationen sehr spannend finden und diese sich sodann nachhaltig in unserem Gehirn festsetzen? Woran liegt das? Evolutionsbiologisch betrachtet ist unser Gehirn darauf getrimmt, negative Wahrnehmungen drei Mal stärker aufzunehmen, als positive Ereignisse. Dieser Mechanismus hat die Menschheit über tausende von Jahren überleben lassen, da wir uns dadurch in die Lage versetzen konnten, vor wilden Tieren zu flüchten oder Angreifer verjagen zu können. In der heutigen Zeit, wo kein wildes Urzeittier im Gebüsch auf uns lauert, ist dieser Mechanismus eher hinderlich. Die vermeintlichen Säbelzahntiger der modernen Zeit stellen die täglich vielfach einprasselnden negativen Nachrichten dank moderner Medien dar. Diese negativen Nachrichten blockieren aber unser Gehirn und nehmen den Raum für positive Gedanken. Wenn wir Menschen aber unseren Fokus verstärkt und aktiv auf unsere Stärken legen, dann leben wir glücklicher und zufriedener. Studien haben eindeutig belegt, dass wenn wir unsere eigenen Stärken erforschen, bewusster wahrnehmen, häufiger nutzen und ausbauen, wir uns dann persönlich und beruflich viel schneller und entspannter entwickeln.

 

Was sind Stärken?

Nun fragst du dich sicherlich: Was genau sind denn Stärken? Die Psychologen Christopher Peterson und Martin Seligman haben nach jahrelanger Forschung eine Liste mit 24 Charaktereigenschaften zusammengetragen. Das spannende daran ist, dass jeder Mensch diese 24 Eigenschaften besitzt, jedoch in unterschiedlich starker Ausprägung. Somit werden sie im täglichen Geschehen auch individuell – je nach Ausprägung – unterschiedlich eingesetzt.

Sicherlich bist du nun neugierig geworden und möchtest jetzt tiefer in deine eigenen Stärken eintauchen und erfahren, wo deine persönlichen Stärken liegen und welche du noch ausbauen könntest. Es kann aber auch sein, dass du deine Stärken bereits sehr gut kennst, möchtest dich aber vergewissern, ob du richtig liegst. Ich habe diesen Test auch gemacht. Teilweise war ich überrascht, welche Stärken in mir schlummern, andere Stärken wiederum kannte ich bereits.

Willst du auch wissen, welche Stärken in dir schlummern? Dann ist dieser offizielle VIA-Stärkentest (Values In Action) genau das Richtige für dich. Dieser von der Uni Zürich kostenfrei zur Verfügung gestellte Test basiert auf den oben erwähnten 24 Stärken. Er bietet ein differenziertes Feedback zu deinen Charakterstärken. Jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Herausfinden DEINER Stärken.

Stärken zur Gewohnheit machen 

Da du jetzt deine Top-Stärken kennst, weißt du immer noch nicht, wie du diese effizient, gewinnbringend sowie zufriedenstellend einsetzen kannst.

Such dir aus dem Test EINE deiner Stärken heraus, die du gern ausbauen und häufiger nutzen möchtest. Schreibe dann 10 Tätigkeiten (beruflich und/oder privat) auf, wo du diese EINE Stärke zukünftig auf eine andere und neue Art und Weise einsetzen möchtest. Dies geschieht allein schon dadurch, weil du diese Stärke bewusst und nicht intuitiv anwendest. Für die Umsetzung setzt du dir einen zeitlichen Horizont von zum Beispiel 2 bis 4 Wochen. Nach Ablauf dieser Zeit reflektierst du die positiven Ergebnisse und schaust, welche Unterschiede es zwischen vorher und nachher gibt.

Und? Hat sich etwas verbessert? Untersuchungen zufolge waren Probanden, die eine vergleichbare Übung durchgeführt haben, sogar noch nach 6 Monaten zufriedener mit ihrem Leben als die Kontrollgruppe, die diese Übung nicht durchlaufen haben (vgl. Seligmann et al. 2005).

 

Auf Stärken fokussieren

Tja, wie geht das – sich auf die Stärken fokussieren? Auf dem Papier sieht das immer so einfach aus. Folgende Übung kann dir dabei eine Unterstützung sein, das Fokussieren zu üben. Such dir eine Gegebenheit aus der Vergangenheit aus, wo du so richtig stolz auf dich warst und du deine Aufgabe richtig gut gemacht hast, wo alles rundum gelungen ist. Dabei ist es völlig egal, ob diese Begebenheit in deinem privaten oder im beruflichen Umfeld war. Falls dir nichts dazu einfällt, hier eine kleine Hilfestellung: Geburt deines Kindes, Lösung eines Konflikts z. B. zwischen Kindern oder Eltern, erfolgreiche Verhandlungsführung…

Nun beschreibst du diese Situation so genau wie möglich – am besten schriftlich. Was hast du wahrgenommen? Wie hast du dich verhalten? Wie waren die Reaktionen der Mitmenschen? Wie hast du dich gefühlt? Welche Stärken stechen dabei heraus? Gibt es Kombinationen von Stärken, die für dich in dieser Situation besonders hilfreich waren? Kannst du diese Stärken(-kombination) in Zukunft öfter nutzen? Schreibe deine Ideen auf, in welchen möglichen Situationen (beruflich und privat) diese Stärke häufiger und gezielter einsetzen könntest. Wie fühlt sich das für dich an, wenn du in Zukunft diese möglichen Situationen mit deinen Stärken im Handgepäck souverän meisterst? Toll oder?

 

Stärken in schwierigen Situationen nutzen 

Nun ist ja nicht jeden Tag heiter Sonnenschein. Es gibt immer wieder Situationen, wo auch Probleme gelöst werden müssen, manchmal sogar mehrere auf einmal. Ist ein Problem gelöst, lauert das nächste auf der anderen Straßenseite. Deine grundsätzliche Lebenseinstellung verrät, ob du ein Problem als Katastrophe oder als eine Herausforderung siehst, aus der du lernen kannst. Möchtest du an Problemlösungen wachsen und dabei gezielt deine eigenen Stärken nutzen? Diese kleine Übung wird dir dabei helfen.

  • Beschreib dein aktuelles Problem in zwei bis drei Sätzen. Aus dem Test kennst du ja nun deine Stärken. Welche dieser Stärken könnte dir beim Lösen dieses Problems behilflich sein?
  • Im nächsten Schritt stellst du dir bitte Situationen vor, wo du genau diese Stärken zur Problemlösung einsetzen kannst. Denk dabei nicht groß nach, sondern schreib aus dem Bauch heraus, ohne auf Formulierung und Rechtschreibung zu achten. Dies ist nämlich der wichtigste Teil der Übung. Man nennt diesen intuitiven Schreibfluss „expressives Schreiben“. Es stellt ein effektives Mittel dar, um mehr über sich zu erfahren. Du wirst stauen, was dir dabei alles an Lösungen einfallen wird.
  • Im letzten Schritt notierst du dann alle Ideen, wie du dein aktuelles Problem mit dieser Stärke lösen könntest.

 

Ich wünsche dir gutes Gelingen und bleib stark!

 

Literaturquellen:

Positive Psychologie, Haufe, Jörg Feuerborn, 2016