Vorbild sein

Im sechsten Teil meiner Blog-Serie „Stark im Kita-Alltag“ zeig ich dir, wie du es schaffst, ein Vorbild zu sein, damit du deine Mitarbeiter davon überzeugen kannst, dass ihr gemeinsam als Team die gesteckten Ziele erreicht.

Als frisch gebackene Kita Leiterin hat mir mein damaliger Chef direkt die interne Projektleitung für das Qualitätsmanagement übertragen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich fühlte mich geehrt und wertgeschätzt. Ich bin voller Elan und voller Vorfreude mit dieser Nachricht in meine Kita zurückgekehrt. Tatkräftig ging ich vor und entwickelte erste Verfahrensanweisungen und Prozessbeschreibungen in der Steuerungsgruppe zum Thema Kita-Qualität. Jetzt war also für uns alle klar, wie wir die Eingewöhnung der Kinder in die Kita gestalten, wie wir Kinder beobachten, wie wir Bildung dokumentieren. Ich fand das alles wunderbar.

Doch schon bald bemerkte ich, dass mein Team das nicht gerade so toll fand. Sie wollten weiterarbeiten wie bisher und nicht mit Verfahrensanweisungen konfrontiert werden. Sie liebten es, die Prozesse frei zu gestalten und situativ zu agieren. Indirekt forderte ich meine Kolleginnen wohl auf, diese Verfahrensanweisungen großartig zu finden und natürlich begeistert umzusetzen. Aber da hatte ich mich wohl verrechnet. Meine Kolleginnen zeigten wenig Engagement für die Umsetzung der neuen Prozesse. Viele machten Dienst nach Vorschrift. Es gab auch ungelöste Konflikte und während ich eine Zeit lang darüber nachdachte, wie ich jetzt vorgehen könnte, kam ich zur folgenden Erkenntnis. Mein bisheriger Führungsstil ist wohl veränderungsbedürftig. Das hatte ich wohl schon länger verdrängt. Ich suchte die Schuld bei meinen Kolleginnen, die nicht genug motiviert waren und nicht mitmachen wollten. Das alles frustrierte mich.

Ich beschloss die Sache jetzt nochmal konstruktiv anzugehen und mich und meinen Führungsstil weiterzuentwickeln und sodann eine andere Art der Teamführung an den Tag zu legen. Zuallererst wollte ich an meiner eigenen Unzufriedenheit arbeiten. Darauf folgte dann die Arbeit an meinen Einstellungen und Erwartungen, die ich an mich persönlich und an mein Team stellte. Ich gab meinen Kolleginnen mehr Zeit für die Umsetzung. Ich fragte genauer nach, was sie nicht gut finden, was wir anders machen könnten. Langsam, aber spürbar drehte sich das Blatt. Die Kolleginnen haben verstanden, dass Verfahrensanweisungen und Prozessabläufe hilfreich sein können. Zunächst erschienen sie ihnen erstmal als große Aufgabe, als Mehraufwand, den nun wirklich keiner braucht. Aber nach einiger Zeit bemerkten sie, dass es hilfreich ist, Prozesse zu notieren und zu wiederholen und diese auch zu verbessern. Was ich dir damit sagen will, ist, du musst als Kita-Leitung immer als Vorbild vorangehen und authentisch sein. Du darfst eine positive, lösungsorientierte Teamkultur vorleben. Dann wirst du deine Kolleginnen und Kollegen überzeugen und ins Boot holen. Du kannst sie nicht einfach dazu drängen und ihnen Positivität sowie Optimismus verordnen. Schaue lieber zunächst bei dir selbst, bei deiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung und entwickle dich weiter, damit du gelassen, souverän und zufrieden führst und so auch dein Team ins Boot holst.

Wir alle orientieren uns an Vorbildern und schauen uns viel von anderen Menschen ab. Hast du ein Vorbild? Damit beginnen wir schon in frühester Kindheit und es zieht sich auch durch unser Berufsleben. Ist der Chef stärken- und lösungsorientiert, dann überträgt sich das auf uns und unser Handeln.

Heute möchte ich euch zeigen, wie du dich als Kita-Leitung auf einen positiven Kurs bringst und was du tun kannst, um ein positives Klima in deinem Team schaffen zu können.

 

Mach den Anfang

Möchtest du in deinem Team die Stimmung ändern? Dann fang bei dir selbst an! Eine positive und lösungsorientierte Kultur kann man nicht einfach wie heißes Wasser über den Teebeutel kippen. Man muss sie vorleben und zeigen wie es geht. Genauso, wie wir unseren Kindern im Kita-Alltag (vor-) zeigen, wie sie mit ihren Mitmenschen umgehen (nicht hauen und schubsen, guten Tag sagen etc.), so verhält es sich auch mit unseren Kollegen und Kolleginnen im Team.

Dabei ist es wichtig, dass dein Verhalten deinem Team gegenüber sich nicht wie eine Verordnung anfühlt, ähnlich wie bei einem Rezept. „Mann oder Frau nehme 3 x täglich einen Löffel Positivität und 2 x täglich morgens und mittags eine große Portion Motivation. Dann sind sie schon nach einem Tag geheilt.“ Nein, so funktioniert das natürlich nicht! Vielmehr sollte dein Verhalten ehrlich und aufrichtig sein. Das Zauberwort heißt hier Authentizität.

Inspiriere dein Team mit deiner eigenen Entwicklung, mit deiner eigenen Motivation, nimm sie an die Hand, geh in den Dialog mit ihnen. So geht ihr den Weg zusammen Richtung mehr Arbeitsfreude und Produktivität. Reflektiert zusammen eure Fortschritte, eure (Miss-)Erfolge und Ergebnisse. So bleibt ihr gemeinsam am Ball. Wie in meinem letzten Blogbeitrag beschrieben, gilt hier, die Stärken und Schwächen aller Teammitglieder (auch deine eigenen) zu erkennen und sich auf diese zu fokussieren. Ziel ist, die Defizite durch die Stärken auszugleichen, um somit das Team als positives „Kraftpaket“ nach vorn zu bringen. Gemäß dem Motto der drei Musketiere: „Einer für alle und alle für einen.“ Jeder bringt seine Stärken gewinnbringend für das Team ein, sodass tägliche Probleme nicht mehr ignoriert und verdrängt werden, sondern angepackt und gelöst werden können. Je mehr und je häufiger du dieses Prinzip deinem Team vorlebst und ihr es gemeinsam lebt, desto schneller wird es zur Gewohnheit werden und Zufriedenheit schaffen.

 

Positive Emotionen schaffen, aber wie?

Stellst du dir jetzt die Frage: „Wie schaffe ich es im stressigen Alltag mit einer nahezu endlosen To-do-Liste, Positivität herzustellen und diese auch noch vorzuleben?“ Und wieder sind wir bei dem Hauptthema des letzten Blogartikels gelandet. Negative Momente werden von uns Menschen dreimal stärker wahrgenommen als positive. Die Psychologin Barbara Fredrickson beschreibt in ihrem Buch „Die Macht der guten Gefühle“ sehr eindrucksvoll, wie wichtig positive Emotionen für uns sind. Positivität hilft uns, unsere Ressourcen aufzubauen; sie erweitern unseren Horizont. Wie von Zauberhand erfassen wir im Alltag mehr Eindrücke und betrachten Situationen aus mehreren Blickwinkeln. Negative Emotionen hingegen erzeugen oftmals einen Knoten im Bauch, schränken unseren Blickwinkel ein und blockieren uns und unser Handeln. Eine Prüfungssituation zum Beispiel, in der wir glauben, die gestellte Aufgabe nicht lösen zu können, löst eben diese negative Emotion aus.

Trotz langer To-do-Liste und stressigem Alltag sollte dein erklärtes Ziel sein, positive Momente häufiger und bewusster zu erleben, sie zu genießen und auszukosten.

 

Es wird Zeit umzuschalten!

Schließ‘ deine Augen und lass deinen Tag Revue passieren. Welche positiven Momente hast du in den letzten 24 Stunden erlebt? Welche fünf Situationen fallen dir spontan ein? Versuche, diese im Detail zu beschreiben. Wenn dir das schwerfällt oder es fällt dir so gar nichts dazu ein, dann wird es Zeit, den Hebel umzuschalten. Es wird Zeit, eine neue achtsame Bewusstheit für die positiven Momente in deinem Leben zu entwickeln.

Negative Erlebnisse sollen dabei nicht verdrängt oder gar ignoriert werden. Ein Vollbad der Probleme mit einem Hauch Selbstmitleid bringt dich jedoch kein Stück weiter Richtung Selbstwirksamkeit und Resilienz.

Vielmehr ist es wichtig, negative Erlebnisse zu akzeptieren und sogleich in den Lösungs- und Lernmodus umzuschalten. Sie können eine gute Grundlage sein, um sich positiv weiterzuentwickeln. Wenn du zum Beispiel deine Stärken gezielt bei der Lösung deines Problems einsetzt, löst das eine positive Stimmung aus. Diesen Mechanismus hältst du bei jeder Problemlösung bei und entwickelst so peu à peu eine positive Grundhaltung. Sie wird dir dann bei der Lösung künftiger Probleme wertvolle Dienste leisten.

Die positive Psychologie ist mehr als reines positives Denken. Empirische Studien belegen nachweislich, dass positive Gedanken einen positiven Effekt auf den Menschen haben. Sogar dein Immunsystem profitiert davon. Denn er funktioniert besser, du wirst seltener krank oder die Krankheitsdauer verringert sich. Deine sozialen Kompetenzen verbessern sich, du wirst feinfühliger, empathischer, optimistischer, kreativer und flexibler. Das hört sich doch gut an, oder?

Damit dir das auch so gut gelingt, stelle ich dir nun Möglichkeiten vor, wie du Positivität üben kannst.

Der positive Tagesrückblick

Nimm dir abends ein Notizbuch zur Hand und plane für dich einen Moment Zeit ein, deinen Tag zu reflektieren. Beantworte dabei folgende Fragen:

  • Was waren heute die drei schönsten/positivsten Erlebnisse für mich?
  • Was genau war mein Beitrag dazu, dass dieses Erlebnis positiv/schön war?

Die Frage 2 lässt sich oft schwer beantworten, denn wenn das Wetter dafür verantwortlich war, dass das Erlebnis schön war, hast du keinen Einfluss darauf. Aber wenn du an diesem schönen und sonnigen Tag, die Mittagspause für einen Spaziergang im Park genutzt hast, dann bist DU der Verursacher und hast den sonnigen Tag bewusst genossen. DU hast die Wärme auf der Haut gespürt, tief eingeatmet und darüber nachgedacht, wie schön es ist, die frische Luft zu genießen. Bei der Beantwortung der zweiten Frage geht es genau um diese Art der eigenen Einflussnahme.

Dank dieser Übung wirst du schnell die positiven Momente im Alltag intensiver und bewusster wahrnehmen und vor allem dafür sorgen, dass diese häufiger stattfinden. Du wirst merken, dass du positive Gewohnheiten kultivierst und vermehrst. Die ersten Tage werden dir schwerfallen, vor allem bei der Benennung der positiven Ereignisse. Schau genau hin und nimm die positiven Momente bewusst wahr und lass sie nicht ungeachtet an dir vorbeilaufen. Viel besser noch: Gestalte deinen Tag so, dass dieser erfolgreich und erfreulich verläuft. Baue bewusst positive Erlebnisse ein. Mit der nächsten Übung kannst du das sogar ganz gezielt umsetzen.

Mini-Urlaube für sich entdecken

Wie viele Dinge tust du am Tag, weil du sie machen möchtest, weil sie dir guttun und du dich darauf freust? Fallen dir nur wenige Tagesordnungspunkte ein, die diese Kriterien erfüllen oder etwa gar keine? Dann ist genau diese Übung richtig für dich:

  1. Notiere untereinander alle Aktivitäten, die dir spontan einfallen und die du gern tust. Das kann ein Urlaub, ein geschäftliches Vorhaben, ein Hobby, eine Aktivität allein oder mit der Familie sein. Sammle diese Ideen ein paar Tage lang. Im nächsten Schritt kannst du diese Ideen dann clustern und dafür Überschriften bilden. Eine andere Art der Bewertung könnte auch die Vergabe von Sternchen oder Smileys sein. Lass dich überraschen, wie viele Aktivitäten du finden wirst und gib dich nicht mit 10 Aktivitäten zufrieden. Mach‘ ruhig eine lange Liste.
  2. Wenn du meinst, dass deine Liste vollständig ist, plane 4 bis 5 Mini-Urlaube je Woche ein. Dazu reicht es nicht, wenn du das in Gedanken tust. Blockiere bewusst feste Zeiten dafür in deinem Kalender.
  3. Tu es! Es gibt keine Ausreden. Nimm deine Mini-Urlaube genauso ernst und wichtig, wie all deine anderen Aufgaben. Es geht schließlich um DEINE Lebensqualität und darum, dass du dich wohlfühlst.
  4. Genieße jede Sekunde ganz bewusst! Schiebe alle anderen Aufgaben erst mal beiseite, denn sie behindern dich bei der bewussten Wahrnehmung und des bewussten Genießens deines ganz persönlichen Mini-Urlaubs. Bleib im Hier und Jetzt und nimm den Zauber des Moments wahr, denn dein Leben findet genau jetzt in diesem Moment statt.
  5. Reflektiere deine Mini-Urlaube (siehe dazu im vorherigen Abschnitt beschrieben, „Der positive Tagesrückblick“) bevor du die nächste Auszeit in Angriff nimmst. Was hat dir gefallen, was möchtest du auf jeden Fall wiederholen?
  6. Freu dich ganz einfach über diese positive Entwicklung, denn du bist der Urheber und Produzent.

Dein Portfolio an positiven Emotionen

Du hattest heute einen stressigen Tag? Gefühlt alles ist schiefgelaufen? In solchen Augenblicken fällt es uns enorm schwer, uns auf unsere Stärken zu konzentrieren und Positivität auszustrahlen. An diesen Tagen sehen wir nur die Probleme und die negativen Ereignisse wie eine Leuchtreklame in Las Vegas vor unserem geistigen Auge ablaufen. Darauf steht in bunten Buchstaben: Ich schaff das nicht, das ist mir zu viel, das geht nicht und so weiter und so weiter. Genau in diesen Momenten benötigen wir einen Impuls, damit wir uns wieder auf die eigenen Ressourcen besinnen können. Dieser Impuls kann ein Gedanke sein, ein Perspektivwechsel oder einfach etwas Abstand. Positive Gedanken haben sehr viel Kraft, um negative Gedanken auszugleichen. Dieser Effekt konnte in Studien nachgewiesen werden (vgl. Fredrickson/Mancuso/Branigan 2000).

Tja, wie geht das, wenn man gerade so schön in seinen negativen Gedanken badet? Die folgende Übung wird dir zeigen, wie du es lernst, positive Emotionen in schwierigen Situationen oder wann immer du sie brauchst, abzurufen.

 

 

 

Konntest du aus diesem Artikel für dich etwas umsetzten? Erzähl mir von deinen positiven Erlebnissen. Nutze dafür gern die Kommentarfunktion.

Im nächsten Blogartikel wird es um das „Positive Arbeitsklima“ gehen. Du darfst also schon gespannt sein! Bis dahin wünsche ich dir gutes Gelingen bei den Übungen und immer schön dran denken: Think positiv!

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Tanja Köster

Ich bin Führungskräfte-Coach und Prozessbegleiterin im Kita-Sektor. Ich unterstütze Fachkräfte der Branche bei ihrem nächsten Karriereschritt zur Führungskraft.

Darüber hinaus biete ich Kita-Trägern Seminare für Kita-Personal und Prozessbegleitungen rund um das Thema Organisationsentwicklung im Kita-Management. Ich verbinde 28 Jahre Berufserfahrung mit meinem Fachwissen zu den Themen pädagogische Qualität, Teamentwicklung und Führungskompetenz.
Tanja Köster

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