Partizipation in der Kita bezieht sich neben der Mitbestimmung und Beteiligung der Kinder auch auf die Ausweitung der  Mitentscheidungsrechte von Eltern. Die Anpassung der Konzeption in Bezug auf Partizipation ist in §45 SGB VIII festgeschrieben.

Was bedeutet das für Fachkräfte, wenn Eltern Mitentscheidungsrechte haben?

Die Vielfalt von Familien ist in Kitas mittlerweile Alltag. Diese Vielfalt ist auch ein entscheidender Grund dafür, warum es so viele unterschiedliche Erwartungen von Eltern an die Kita gibt. Fachkräfte sind gestresst von dem, was Eltern alles fordern, oder sich wünschen. Kein Wunder: Bei der Vielfalt der Familien, die wir heute in den Kitas antreffen, gibt es ganz unterschiedliche Werte, von denen Familien sich leiten lassen. Diese diversen Wertvorstellungen prallen in der Kita aufeinander. Die Fachkräfte haben die Aufgabe, hier Klarheit und Struktur hineinzubringen.


§ 22a SGB VIII schreibt vor, dass Fachkräfte mit den Erziehungsberechtigten zusammenarbeiten und diese “an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Erziehung, Bildung und Betreuung zu beteiligen” sind.


Schaut man genauer in die gesetzlichen Bestimmungen, findet man jedoch keine Grundlage dahingehend, dass jeder Elternwunsch umzusetzen ist. An dieser Stelle sende ich einen Appell an dich: DU und deine Team – ihr müsst eine Grundlagendiskussion darüber führen, was für euch gilt. Dies lässt sich gut mit den Stufen der Partizipation erarbeiten. Dazu später mehr.

Unterschiedliche Erwartungen von Eltern an die Kita kann bei den Fachkräften zu Verunsicherung und Überforderung führen. Frau Maier möchte, das ihr Kind nur 30 Minuten schläft. Herr Otto wünscht, dass Peter morgens seine Milchschnitte essen darf. Frau Baum erklärt, dass Carla bitte immer die Regenhose anzieht, wenn sie nach draußen gehen.

Nutze Partizipation, um dein pädagogisches Handeln im Team zu reflektieren und anzupassen. Neben den unterschiedlichen Erwartungen suchen Eltern stets Orientierung: Welche Erwartungen werden in der Kita von Fachkräften erfüllt und welche werden nicht erfüllt?


Gestalte das “Spannungsfeld Eltern” aktiv im Team


Zunächst solltest du dir mit deinem Team Klarheit verschaffen: Wo (sollen) Eltern das Recht haben, ihre Ansprüche durchzusetzen? An welchen Punkten werdet ihr als Team euer pädagogisches Handeln durchsetzen, auch wenn es Auseinandersetzungen mit Eltern geben wird? Die gemeinsame Ausrichtung ist eine Teamaufgabe. Im Team legt ihr euer pädagogisches Handeln fest Wichtig ist, dies den Eltern gegenüber jederzeit begründen zu können und es auch ihnen gegenüber zu vertreten. Euer Handeln als Team muss transparent und nachvollziehbar für Eltern sein. Das ist ein Stück Arbeit, die sich aber in jedem Fall auszahlt. Eltern werden mit der Zeit Vertrauen zu euch aufbauen und Sicherheit gewinnen. Sie erleben schließlich ein transparentes, begründetes erzieherisches Verhalten, auf dass sie sich verlassen können. Diese Sicherheit bietest du durch deine klare Haltung. Als Team gebt ihr den Rahmen vor, den Eltern erst kennenlernen und verstehen müssen. So wird vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe entwickelt.

Mitentscheidungsrechte für Eltern entwickeln

Ich empfehle dir, einen Teamtag als Start, oder mehrere Teamsitzungen dafür zu nutzen, um Mitentscheidungsrechte der Eltern in deiner Kita im Team gemeinsam zu erarbeiten. Hier eignen sich zur Durchführung die Stufen der Partizipation. Dabei orientierst du dich im Team an den folgenden Partizipationsstufen:

  • Recht auf Information
  • Recht auf Anhörung
  • Recht auf Mitentscheidung
  • Recht auf Selbstentscheidung

Beispielsweise sorgt das Anhörungsrecht der Eltern dafür, dass ihre Meinungen berücksichtigt werden, wenn alle wichtigen Infos zu einem Anliegen zusammengetragen werden. Die Entscheidung treffen aber die Fachkräfte  auf der Grundlage ihrer Konzeption.

Beispiel: Anhörungsrecht zum Ablauf des Mittagsschafs

Dies bedeutet konkret, dass Eltern zum Beispiel angehört werden, wenn es um  eigene Wünsche  zum Mittagsschlaf der Kinder geht. Dies ist sinnvoll, wenn es z.B. einen Arzttermin am frühen Nachmittag gibt und das Kind dann nicht schlafen soll, sondern ausnahmsweise einen kürzeren Mittagsschlaf als üblich macht.

Du merkst, da ist Diskussionspotenzial drin. Ich höre schon viele von euch, die jetzt innerlich aufspringen. Ja, gut so! Es ist an der Zeit, dass du im Team deine Meinung bekannt machst und die Meinungen der Kolleginnen kennenlernst. Dann könnt ihr starten und Regeln für eurer pädagogisches Handeln verabreden. Dies ist mit den Stufen der Partizipation gut umsetzbar!

Elternrechtekatalog

Wenn du etwas mehr zum Thema Elternbeteiligung in der Kita lesen möchtest, lade dir diesen Artikel “Elternrechtekatalog für die Kita – Vom Umgang mit Partizipation für Mütter und Väter” hier direkt herunter.

Praxisbeispiel zum Ausprobieren: Reflexion zum Thema “Essen”

Hier kannst du dir einen ersten Einblick zum Thema “Essen” und Elternbeteiligung verschaffen. Lade dir die PDF hier direkt herunter. 

Online-Mini-Workshop Partizipation – Eltern beteiligen

Wenn du Lust hast, dich mehr mit dem Thema Elternbeteiligung zu beschäftigen, bist du ganz herzlich zu meinem Mini-Workshop am 21.06.18 um 20.00 Uhr eingeladen. Ich werde Checklisten und Reflexionsmaterial zur Verfügung stellen und dir zeigen, wie du den Transfer in dein Team umsetzen kannst. Hier gibts weiter Infos.

Wie läuft´s bei euch mit der Elternbeteiligung in der Kita? Schreib mir gerne in den Kommentar, oder diskutiere mit in meiner Facebook-Gruppe.